Reference : Die „Revolte“ von Mützenich (1949). Ein Eifeldorf als Indikator der deutsch-belgische...
Scientific journals : Article
Arts & humanities : History
http://hdl.handle.net/2268/100865
Die „Revolte“ von Mützenich (1949). Ein Eifeldorf als Indikator der deutsch-belgischen Nachkriegsbeziehungen
German
Brüll, Christoph mailto [Université de Liège - ULg > Département des sciences historiques > Critique historique >]
2012
Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins. Aachener Geschichtsverein
113-114
231-260
Yes
National
0065-0137
[en] German-Belgian frontier ; Postwar 1945 ; German-belgian relationship
[de] Am 27. Mai 1949 suspendierte der Aachener Regierungspräsident Ludwig Philipp Lude den Gemeinderat des Eifeldörfchens Mützenich, eine Entscheidung, die der nordrhein-westfälische Innenminister Walter Menzel noch am selben Tag bestätigte. Der Kreistag bestellte sich zur Gemeinderegierung und eine kommissarische Bürgermeisterin wurde ernannt. Eine Petition war der Grund für diese ebenso drastische wie ungewöhnliche Maßnahme. Die Gemeindevertreter hatten sie an das belgische Außenministerium in Brüssel gerichtet, um die Angliederung ihres Dorfs an Belgien zu fordern.

Diese „Revolte von Mützenich“ dauerte bis in den Spätsommer 1949 und erhitzte die Gemüter auf beiden Seiten der deutsch-belgischen Grenze. Die Geschichte vom schließlich doch deutsch gebliebenen Eifeldorf, das belgisch werden wollte, könnte als Episode, als Anekdote für Lokal- und Heimatgeschichtler abgetan werden, sie kann aber auch als ein Indikator, sogar als ein Spiegel der deutsch-belgischen Nachkriegsbeziehungen betrachtet werden, was im Folgenden versucht werden soll. Eine solche Betrachtung beruht nicht zuletzt auf der Annahme, dass der Grenzraum kein bloßes Objekt von großer Politik und Nachkriegsregelungen war, sondern dass er ein durchaus eigenständiges Untersuchungsfeld darstellt, dessen Akteure und Handlungen mit der diplomatisch-politischen Ebene interagieren. Dies darf freilich nicht darüber hinwegtäuschen, dass der deutsche Grenzraum für Belgien nach 1945 zuvorderst ein Reparationsraum war. Die Parallelen zur „ersten“ Nachkriegszeit nach 1918 sind hier unübersehbar. Denn neben die Ansprüche trat auch die Präsenz belgischer Soldaten in der britischen Besatzungszone, die von der Regierung in Brüssel als Garanten der belgischen Interessen gegenüber dem besetzten Deutschland betrachtet wurden. In den Reaktionen auf Besatzung und Reparationsansprüche spiegelt sich jedoch auch die schwierige sozioökonomische Situation der Eifeldörfer in den ersten Nachkriegsjahren wider. Zerstörung, Strukturschwäche und die Folgen der Grenzlage bestimmten die alltäglichen Sorgen der Bevölkerung und bestimmten maßgeblich deren Haltung gegenüber der Politik der Aachener und Düsseldorfer Behörden. Insofern geht es bei der „Revolte von Mützenich“ nicht nur um die deutsch-belgischen Grenzbeziehungen, sondern auch um ein Stück nordrhein-westfälischer Zeit- und Sozialgeschichte.
Researchers ; Professionals ; Students ; General public
http://hdl.handle.net/2268/100865

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